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von Redaktion
4. Juni 2010 - 14:41 Uhr

Immer mehr Zeitungen haben Fanseiten in sozialen Netzwerken. Leser können Artikel kommentieren und bewerten. Aber was bringt das? Wir haben nachgefragt bei Zeit, Welt und Taz. Von Nadine Ahr und Lilith Becker

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Immer mehr Zeitungen haben Fanseiten in sozialen Netzwerken. Leser können Artikel kommentieren und bewerten. Aber was bringt das? Wir haben nachgefragt bei Zeit, Welt und Taz.

Von Nadine Ahr und Lilith Becker

Gefällt mir. Ein Klick mit der linken Maustaste und ich bin Fan der Facebook-Seite der Zeit. Die Startseite meines privaten Facebook-Profils wird jetzt jeden Tag mit den neuen Themen versorgt, die die Zeit auf ihrer Fanpage einstellt. Die Themen erscheinen auf meiner Seite – und auf der Seite der anderen 16.800 Fans, die die Zeit bei Facebook hat.

Die Autoren der Zeit schreiben Beiträge unter ihrem eigenen Namen. Mag ich, was der Autor schreibt oder nicht? Habe ich andere Informationen zum Thema oder einen Rechtschreibfehler gefunden? Ich kann es „kommentieren“ – linke Maustaste, klick – direkt unter dem Artikel auf der Fanpage der Zeit. Außerdem kann ich den Artikel „teilen“. So bekommen alle meine Facebook-Freunde einen Link auf ihrer Startseite. Facebook verteilt Informationen – leicht und schnell.

Mit Facebook die Reichweite steigern

9,5 Millionen Nutzer in Deutschland sind Anfang Juni 2010 bei Facebook registriert. Dreimal mehr als noch vor einem Jahr. Die Menschen sind bei Facebook. Und deshalb tummeln sich auch die Verlage dort. „Mit Facebook können wir unsere Reichweite steigern“, sagt Internet-Redakteur Sebastian Horn von der Zeit. Er ist davon überzeugt: „Es gibt einen kulturellen Wandel. Er muss Bestandteil der journalistischen Arbeit werden.“ Der kulturelle Wandel: Freunde der Eltern wollen deine Freunde auf Facebook werden. Die kleinen Geschwister haben schon längst ein Profil in dem sozialen Netzwerk, das so schnell wächst und soviel genutzt wird wie kein anderes.

Die Zeit setzt bei ihrem Facebook-Auftritt auf Persönlichkeit. „Unsere Sprache soll menschlich und natürlich klingen“, sagt Sebastian Horn. Die Nutzer, die die Zeit-Seite besuchen, wissen, wer ihnen schreibt. Sie können hinter die Kulissen gucken. Diskussionen auf der Seite sind erwünscht. „Wenn noch irgendjemand wegen irgendetwas zurücktreten möchte, dann bitte gleich, dann haben wir es in einem Aufwasch hinter uns“, schrieb ein Redakteur der Zeit, kurz nachdem Horst Köhler zurückgetreten war. Ein Fan kommentierte diesen Beitrag so: „Man muss auch mal Respekt haben vor dieser Entscheidung, es sind viele Ereignisse vor dem Rücktritt passiert, die mir ein großes Verständnis abringen.“

Mit den Lesern im Dialog

Sebastian Horn gehört zum Moderationsteam für die Fanpage. Er bündelt solche Kommentare und gibt sie weiter: „An den Meinungen die Leser hinterlassen, können wir nicht selten die Diskrepanz zu unserer eigenen Meinung erkennen.“ Der Dialog mit den Lesern wird zu einem redaktionellen Korrektiv.

Bei der Facebookseite „Tazdie Tageszeitung“  verhält es sich ein wenig wie im realen Leben. Wer hier aktiv sein möchte, muss Mitglied werden. Die Taz ist eine Genossenschaft, auf Facebook ist die Taz eine Gruppe, der man beitreten kann. Im Gegensatz zu der Facebookseite der Zeit, bei der der Leser lediglich kommentieren darf, was Redakteure geschrieben haben, ist der Nutzer hier eingebunden. Er schreibt mit, lädt Fotos hoch, stellt eigene Artikel rein. 1.811 Mitglieder tun dies bereits, mehr oder weniger regelmäßig. Daneben bietet die Facebook-Seite der Taz ihren Nutzern die Möglichkeit, die gedruckte Zeitung aktiv mitzugestalten. Zum 31. Geburtstag der Taz konnten die Nutzer sogar über den Titelkopf der Zeitung abstimmen.

Bei der Taz macht jeder was er will

„Revolution und Evolution“ postet Nutzerin Elfriede Nehls. „Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit”, zitiert Holger Kauschmann den Philosophen Albert Camus. Besucher der Seite können sich durch wahllos hochgeladene Fotos klicken: Bilder einer Altbauwohnung, eine durchgestrichene Bild-Zeitung oder auch das gute alte „Atomkraft? Nein, danke“-Schild. Was das mit der Tageszeitung zu tun hat? Die erstaunliche Antwort vom Verlag: „Gar nichts.“ Denn obwohl das Logo der Zeitung auf der Seite prangt, ist die Facebookseite „Taz- die tagesZeitung“ keine offizielle Seite des Verlags.

Ein Praktikant habe die Seite irgendwann mal eingerichtet und zwar lange bevor Zeit oder Welt eigene Fanseiten auf Facebook hatten, erzählt Mathias Bröckers. Er ist verantwortlich für die Online-Entwicklung bei der Taz. Seit es die Taz-Seite gibt, postet jeder der will, Nutzer und Redakteure wild durcheinander. Wer jetzt schon Johnny Eisenberg, den Medienanwalt der Taz, in den Startlöchern sieht, liegt falsch. „Natürlich freuen wir uns darüber, wenn Benutzer Artikel auf Facebook verlinken“, sagt Mathias Bröckers. Trotzdem diskutiere man jetzt darüber, ob der Verlag die Seite offiziell betreiben sollte – allerdings redaktionsintern.

Eine Spielwiese für Redaktionen

Mit Lesern in Kontakt treten, das geht über Facebook noch besser als über die guten alten Leserbriefe – denn die Kommentare erreichen die Redaktion umgehend und diese kann direkt reagieren. Grischa Rodust von der Redaktionsleitung der Welt schätzt diese Funktion der sozialen Netzwerke. „Wir werden von Nutzern auf Ereignisse hingewiesen, die wir sonst vielleicht nicht mitbekommen hätten.“ Er denkt dabei zum Beispiel an Welt-Leser, die sich im Ausland aufhalten und der Redaktion nützliche Hinweise geben.

Zeitungen bei Facebook profitieren von ihren Lesern und binden sie gleichzeitig an sich. Im Moment sei das Ganze noch eine Spielwiese. „Wir probieren uns auf Facebook aus, wir experimentieren. Wir merken, dass da was passiert und es Spaß macht“, sagt Grischa Rodust. Die Welt ist mit der Welt kompakt und Welt Online vertreten.

Noch sind Facebook, Twitter und Co für viele Redaktionen eher ein Spaß. Doch gedruckte Zeitungen wird es nicht mehr ewig geben. Und die ersten Verlage haben auch schon reagiert: Zeit und Welt leisten sich mittlerweile eigene Social Media-Redakteure.

Mehr im Web:

Facebookmarketing.de: Zahlen und Fakten rund um Facebook

Zeit und Welt bei Facebook

Taz im Internet

Ressort: Marke

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